Grenadier-Regiment König Friedrich Wilhelm I. ( 2. Ostpreußisches ) Nr. 3

Grenadier-Regiment König Friedrich Wilhelm I. ( 2. Ostpreußisches ) Nr. 3

Auf Befehl von Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg ( der Große Kurfürst ) vom 18.August 1665 wurde das Ursprungsregiment unter dem Namen "Jung-Holstein" durch den Herzog von Holstein-Beck in der Festung Wesel errichtet. Zuerst aus 5 Kompanien bestehend wurde es bald auf 8 Kompanien aufgestockt. Die Mannschaften dienten entweder als Pikeniere oder als Musketiere mit jeweils 10-15 Grenadieren je Kompanie. Zu den Grenadieren durften nur die ansehnlichsten und kräftigsten Leute genommen werden. In der Vorschrift stand geschrieben : "Ein Grenadier muß nicht weibisch aussehen, sondern furchtbar, von schwarzbraunem Angesicht, schwarzem Haar und schwarzem Knobelbart, muß auch nicht leicht lachen und freundlich tun ...". Als Waffen führten sie Handgranaten und einen Degen. Zu dieser Zeit zergliederte sich  Preußen in 3 Teile; Ostpreußen, Mittelpreußen (Brandenburger Land) und westliche Gebiete am Rhein.

Nach dem Tode des Großen Kurfürsten am 29.April 1688 führte sein Sohn, Friedrich I., die Staatsgeschäfte weiter. Durch territoriale Ansprüche seitens Ludwig XIV. von Frankreich, besonders auf holländisches und preußisches Gebiet, wurde das Regiment, das jetzt in 2 Bataillone mit insgesamt 10 Kompanien gegliedert war, unter Marschall Schomberg nach Köln verlegt. Das 2. Bataillon focht alsdann in Holland  unter dem Kommando von Wilhelm von Oranien. Zurückgekehrt verteidigte es erfolgreich die Festung Charleroi. Das 1. Bataillon kämpfte am Rhein unter General Barfuß ( Schlacht bei Ürdingen 1689 ).

1693 half es den Kaiserlichen Truppen im Kampf gegen die Türken. Beim Sturm auf die türkische Festung Belgrad fiel der Kommandeur Oberstleutnant v. Horn. Unter Prinz Eugen von Savoyen kämpfte das 1. Bat. In Ungarn gegen die Türken und erhielt nach der Schlacht bei Zenta ein glänzendes Zeugnis. Erst im Herbst 1698 wurde das Regiment in Königsberg, wo es jetzt stationiert war, wieder vereint.

Am 18. Januar 1701 wurde Kurfürst Friedrich I. zum König von Preußen gekrönt, wobei dem Regiment Holstein eine Schlüsselrolle zukam.

1705 stellte König Friedrich I. unter Befehl des Fürsten Leopold von Dessau (Alter Dessauer) dem Kaiser ein Hilfskorps mit u. a. 100 Grenadieren zur Verfügung. Sie zogen über Tirol nach Italien, wo das französische Heer die kaiserlichen Truppen arg bedrängte. In der Schlacht bei Saffano schlugen die Grenadiere die französische Reiterei mit dem Degen in die Flucht. Der König verlieh daraufhin den Grenadieren des Regiments das Recht, statt der herkömmlichen Säbeltroddeln lederne Faustriemen wie die Reiterei zu tragen. 1706 nahmen sie an der Schlacht bei Turin teil. 1708 rückte das 1. Bat. ebenfalls nach Italien ab, von wo es 1713 zurückkehrte.

Am 25. Januar 1713 starb König Friedrich I.. Ihm folgte Friedrich Wilhelm I. auf den Thron, dessen Namenszug das Regiment bis 1918 führte.

An anderer Front marschierte das Regiment1715 unter Führung des Königs über Stettin nach Stralsund zur Belagerung der Festung, die vom Schwedenkönig Karl XII. verteidigt wurde. Durch die Schlacht bei Stresow wurde nach erbitterten Kämpfen Rügen genommen. Dort wäre es durch Grenadierleutnant v. Knobloch fast zur Gefangennahme des Schwedenkönigs gekommen. Er hatte ihn nur nicht erkannt.

Im Sommer 1716 traf es wieder in Königsberg ein. Es folgte nun (Zitat Regimentsgeschichte) "... eine Reihe von Jahren, ausgefüllt mit harter, ernster Friedensarbeit." Es wurde der Gleichschritt eingeführt, sowie ein Exerzierreglement. Durch die Reformen des Alten Dessauer wurden bei den Gewehren die hölzernen mit eisernen Ladestöcken getauscht.

1735 wurden aus den Grenadieren aller Kompanien 2 Grenadierkompanien gebildet.

Nach 25 Jahren Garnisonslebens rückte das Regiment 1741 nach der Mark gegen Österreich aus. Am 17. Mai 1742 kam es zur Schlacht bei Chotusitz in Böhmen, wobei dem 1. und 2. Bat. eine Schlüsselrolle zukam. Bei den schweren Kämpfen wurde General von Wedel schwer verwundet und das 2. Bat. erlitt so starke Verluste, dass es aus dem Feldetat gestrichen werden musste. Noch 1853 erhielt das Regiment dafür eine Erinnerungsmedaille.

1744 kämpfte das Regiment in der Schlacht von Hohenfriedberg und bei Soor. Für seine Tapferkeit bei Hohenfriedberg erhielt es die Erlaubnis, den Grenadiermarsch schlagen zu dürfen.

Im 7-jährigen Krieg 1756-63 stand das Regiment 1757 im Felde. Bei Groß-Jägerndorf kam es am 30. August 1757 zur Entscheidungsschlacht zwischen Preußen und Russen. Das Regiment, nach dem Kommandeur "von Below" genannt, verlor dabei 29 Offiziere und 1076 Mannschaften an Toten und Verwundeten. Einige Monate später eroberte das Regiment die Peenemünder Schanze und verteidigte es gegen die anrückenden Schweden. Dafür erhielt Kapitän v. Reibnitz den Orden Pour le merite.

Am 15 August 1758 verlor das Regiment in der Schlacht bei Zorndorf die Hälfte seines Bestandes. 1759 kämpfte es u. a. in Kunersdorf, wo es kapitulieren musste. Kurze Zeit später wurde aus den Resten ein neues Bataillon formiert. 1760 kämpfte es in Torgau, 1762 in Freiberg. Nach diesen langen Kriegsjahren folgte ein 23jähriger Frieden.

1786 wurde das Regiment zu 3 Bataillonen ( 2 Musketier-, 1 Grenadier- ) formiert.

1794 nahm es am Krieg gegen Polen teil, von wo es 1795 nach Königsberg zurückkehrte.

Aufgrund der Politik Kaiser Napoleons wurde das preußische Heer 1805 mobil gemacht. Das Regiment wurde an der Weichsel stationiert. In der Schlacht bei Viezun erhielt Leutnant v. Zielinski den Orden Pour le merite. Uffz. Bachsel rettet im Gefecht bei Soldau am 25.12.1806 die Fahne, die durch einen Kartätschenschuß vollständig zerschossen war. Das Füsilierbataillon nahm an der Verteidigung Danzigs teil, wobei 8 Offz. den Orden Pour le merite bekamen.

Am 7. Februar 1807 kam es zur Schlacht bei Preußisch-Eylau. Hier fiel der erste französische Adler in preußische Hände. Für seine Leistungen erhielt das Regiment Prinz Heinrich von Preußen zum Chef. Der bisherige Regimentschef v. Below wurde vom preußischem König und russischem Kaiser mit Ehren überhäuft. Nach dem Frieden von Tilsit am 9. Juli 1807 ging das Reg. in seine Garnison zurück.

1808 bestand das Regiment aus 2 Musketier- und einem leichten Bataillon sowie aus 2 Grenadierkompanien.

1812 stellte das 1. und das Füsilierbat. ein Hilfskorps für die französische Armee unter Gen. v. York. Am 30. Dezember 1812 wurde es dem preußischem König zurückgegeben. Ab März 1813 beteiligte sich das Regiment am Krieg gegen Frankreich, u. a. in Kämpfen bei Berlin und Wittenberg. Die Grenadiere des Regiments wurden mit denen des 1. Ostpreuß. IR zum 1. Ostpreuß. Grenadier-Bataillion vereinigt. Sie kämpften bei Groß-Görschen sowie Bautzen. Das Regiment gehörte zur Schlesischen Armee unter General Blücher. Weitere Kämpfe folgten bei Löwenberg und Goldberg. Am 3. Oktober 1813 erlitt das 1. Bat. in der Schlacht bei Wartenburg enorme Verluste. Nach 6stündigem Kampf gab es noch 60 Mann und 1 Offz.. Vom 1. u. 2. Bat. waren nur noch 500 Mann übrig. 2 Wochen später kämpfte es bei Leipzig/Möckern. Bei der Verfolgung der franz. Truppen kam es nach Metz, St. Dizier, Laon sowie Paris. Nach der Abdankung Napoleons kam das Reg. in Ruhestellung.

Am 14. Oktober 1814 bildeten die 7. u. 8. Kompanie ( Grenadiere) einen Teil des Kaiser Alexander-Garde-Grenadier- Regiments.

1815, 130 Jahre nach seiner Gründung, wurde das Regiment in seinem Gründungsort, der Festung Wesel, garnisoniert. 1817 kehrte es nach Königsberg zurück. Dort verlieh König Friedrich Wilhelm III. dem Regiment für seine Verdienste sein Bildnis.

In den nächsten vielen Jahre bestimmten Garnisonsdienst und Manöver den Alltag. Am 18. August 1835 beging es sein 150jähriges Stiftungsfest. 1858 wurde es mit dem Dreyse Zündnadelgewehr ausgerüstet.

  • Hauptmann in Dienstanzug
  • Unteroffizier in Parade-Uniform um 1914
  • Regimentsdenkmal

Nach dem Tode des Regimentschefs Prinz Heinrich von Preußen 1846 übernahm es 1859 Erzherzog Albrecht von Österreich. Von da ab hieß es "2. Ostpreuß.Grenadierregiment Nr. 3".

1860 gab das Regiment zahlreiche Offz. und Mannschaften zur Formierung des IR 43 ab. Januar 1866 kam das 1. Bat. nach Lötzen, das 2. Bat. nach Gumbinnen und die Füsiliere nach Insterburg in Garnison. Nach der Mobilmachung am 6. Mai 1866 gegen Österreich und seine Verbündeten kam es am 27. Juni zur ersten Schlacht bei Trautenau. In der Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli traf das Regiment erst 3 Uhr nachmittags ein und beteiligte sich an der Verfolgung der österreichischen Truppen. Anfang September kehrte es wieder in seine Garnisonen zurück.

1867 gab es die 6. Kompanie zur Gründung des IR 73 ab. Am 16. Juni 1870 erfolgte die Mobilmachung gegen Frankreich. Am 10. August überschritt das Regiment die französische Grenze bei Kreuzwald unter Oberst von Legat. Am 14. August kam es zur Schlacht von Colombey-Noeully bei Metz. Dabei wurden fast 600 Offz. und Mannschaften getötet oder verwundet. In der Schlacht bei Noisseville und Servigny am 31. 8. verlor es noch einmal 400 Mann . Am 31. 10. marschierte es von Metz nach Mezieres, dann nach Amiens, Rouen und Evreux. Zum letzten Kampf kam es am 4. Januar 1871 bei Maison Brulet und St. Duen. Am 2. März wurde Frieden geschlossen. In den 7-monatigen Kämpfen hatten 981 Offz. und Mannschaften des Regiments ihr Leben verloren. Als Zeichen der Anerkennung erhielten Angehörige des Reg. als Auszeichnung 7 x EK 1. Klasse, 262 x EK 2. Klasse. Ende September 1871 kehrte es in seine Garnisonen zurück.

Die folgende lange Friedenszeit verbrachte man mit Garnisonsarbeit und Manövern. 1872 wurden die Füsiliere von Lötzen nach Königsberg verlegt. 1881 gab das Reg. eine Kompanie zur Gründung des IR. 128 ab, 1887 eine weitere zur Gründung des IR 135. Am 18. August 1885 wurde der 200. Gründungstag gefeiert.

Am 27. Januar 1889 erhielt das Regiment den Namen  "Grenadier-Regiment König Friedrich Wilhelm I. ( 2. Ostpreußisches) Nr. 3". Am 1. April 1889 wurde es komplett nach Königsberg zurückverlegt. 1893 wurde das IV. Bat. gebildet. Am 9. September 1901 anläßlich des 200-jährigen Bestehens Preußens ernannte sich Kaiser Wilhelm II. zum Regimentschef. Des weiteren wurde dem Regiment der Gardeadler ohne Stern für den Helm, für die Offz. Stickereien an Kragen und Ärmelpatten, für Mannschaften weiße Gardelitzen verliehen.

Mit dem Ausbruch des I. WK kamen auf das Regiment zuerst Grenzsicherungsaufgaben nach Osten zu. Ihre Bereitstellungsräume bezogen sie bereits am 31. Juli 1914 unter ihrem Kommandeur Oberst von Wedel. Hier kam es auch zu ersten Gefechten gegen russische Truppen. Immer an Brennpunkten eingesetzt, kämpfte das Regiment u.a. 1914 in Tannenberg, an den Masurischen Seen, Suwalki usw.. 1915 kämpfte es in Polen, in den Karpaten, in Galizien, in Russland am Dnestr und Bug und in den Rokitnosümpfen. Nach einer kurzen Ruhepause wurde das Regiment nach Westen verlegt. Von Lothringen ging es 1916 direkt an die Front nach Verdun. Dort wurden sie im Cailettewald, Fuminrücken und  im Fauxgrund eingesetzt. Bis zum 10. Juli 1916 hatte das Reg. ohne eigentliche Kampftätigkeit 48 Tote und 330 Verwundete zu beklagen. Am 11. Juli nahm das Reg. an Gefechten zur Eroberung von Fort Souville teil, wobei es zu vielen Verlusten kam. Einige Tage später wurde es zurückgezogen und wieder nach Osten verlegt. Ab August 1916 kämpfte es in den Karpaten, in Rumänien und in der Bukowina. Nach dem Friedensschluß von Brest-Litowsk 1917 wurde das Regiment wieder nach Westen verlegt. Dort wurde es in Frankreich und Belgien in zahlreiche Kämpfe verwickelt. Am 12. 11. 1918 begann der Rückmarsch nach Deutschland. Nach vielen Kilometern Fußmarsch wurde das Reg. in Eisenbahnwagons verladen und erreichte am 4. Dezember 1918 Königsberg. In den knapp 4 ½  Jahren Krieg verlor das Regiment 140 Offz. und 5590 Mannschaften an Toten. Im Januar 1919 wurde das Regiment nach 234-jährigem Bestehen aufgelöst.