Leib-Grenadier-Regiment König Friedrich Wilhelm III. (1. Brandenburgisches) Nr. 8 – Frankfurt a. O.

III. Armeekorps, 5. Division, 9. Infanterie-Brigade

Das Regiment verdankt seine Entstehung der militärischen Katastrophe von 1806. Nach der Schlacht von Jena und Auerstädt gegen die Truppen Kaiser Napoleon I. sowie den folgenden Niederlagen und Kapitulationen begann der Kommandant der Festung Kolberg, Oberst v. Lucadou, ab November 1806 mit der Aufstellung des „Pommerschen Provisorischen Grenadierbataillons“. Dieses Bataillon, das bald nach seinem Kommandeur, Kapitän Frhr. v. Waldenfels, benannt wurde, bestand vor allem aus den Resten des zu den Regimentern Pirch (Nr. 22 ) und vac. Puttkammer (Nr. 36) gehörigen Grenadierbataillons Osten, das offiziell bei Prenzlau kapituliert hatte. Allerdings flüchteten damals viele Soldaten der ganzen preußischen Armee aus französischer Gefangenschaft, schlugen sich auf eigene Faust durch und sammelten sich wieder, um den Kampf erneut aufzunehmen. Kolberg war eine der wenigen Festungen, die den Franzosen stand hielt.

Bis zum Abschluss des Waffenstillstandes im Juli 1807 konnte sich die Festung standhaft unter dem neuen Kommandanten (ab April 1807) und späteren Militärreformer Neidhardt v. Gneisenau verteidigen. Aus dem Grenadierbataillon Waldenfels, dem 2. Pommerschen und 3. Neumärkischen Reservebataillon sowie dem leichten Bataillon v. Schill wurden am 26.08.1808 zwei neue Formationen aufgestellt, die in Anerkennung ihrer Leistungen zum Leib-Infanterie-Regiment mit Leib-Grenadier-Bataillon ernannt wurden und zu den Garden zählte. (Erste) Chefs waren bis 1918 immer die preußischen Könige. Zweite Chefs wurden später die Großherzoginnen von Mecklenburg-Schwerin, Alexandrine (1865-1892) und Alexandra (1892-1918).

In den Befreiungskriegen 1812/14 stand das Regiment in zahlreichen Gefechten und Schlachten ständig im Kampf und zog bis nach Paris. Im Gefecht bei Wartenberg (3. Oktober 1813) zeichnete sich des II. Btl. unter schweren Verlusten besonders aus. Beim anschließenden Vorbeimarsch an General v. York zog dieser den Hut mit den Worten: „Dies ist das brave II. Bataillon, vor dem die ganze Welt Respekt haben muss!“. In der Völkerschlacht bei Leipzig eroberte das II. Bataillon einen Tambourstock, den es bis 1918 führte.

Oberleutnant mit Dame

Nach der Rückkehr Kaiser Napoleons kämpfte das Regiment 1815 bei Ligny und Waterloo.

In der Revolution von 1848 wurden die Leib-Grenadierein den Berliner Straßenkämpfen eingesetzt und bekamen - wie auch der damalige Prinz und spätere Kaiser und König Wilhelm („Kartätschen-Prinz“) - einen Beinamen: „die Bluthunde“.

1860 verlieh der König dem Regiment den Namenszug FWR auf den Schulterklappen und ernannte es zum Leib-Grenadier-Regiment. 1861 erfolgt die Umbenennung in Leib-Grenadier-Regiment (1. Brandenburgisches) Nr. 8 sowie die Verleihung der III zum Namenszug in Gedenken an den Stifter, König Friedrich Wilhelm III, dessen Namen 1889 als Zusatz erhält.

Im Krieg von 1864 gegen Dänemark stürmten die Brandenburger die Schanzen III und VII bei Düppel, wobei der Brigade-Kommandeur General v. Raven fiel.

Als Teil der 1. Armee unter Prinz Friedrich Karl nahmen die Leib-Grenadiere im Feldzug von 1866 gegen Österreich teil. Im Gefecht bei Gitschin kämpfte das Regiment tapfer gegen zahlenmäßig überlegene Österreicher und Sachsen – und errang dabei einen weiteren Sieg. Wegen der hierbei erlittenen schweren Verluste, insbesondere unter den Offizieren, war es an der wenige Tage später stattfindenden Schlacht bei Königgrätz als Reserve kaum beteiligt; zog aber in der folgenden Zeit noch bis vor die Tore Wiens.

Im Krieg gegen Frankreich 1870/71 zeichneten sich die Leib-Grenadiere in vielen Gefechten und Schlachten aus, vor allem bei Spichern, Vionville, Gravelotte, Orleans und Le Mans.

Als eines der ältesten Regimenter wurden immer wieder Einheiten für die Aufstellung neuer Truppenteile herangezogen. So wurde 1814 das Leib-Grenadierbataillon als I. Btl. an dasKaiser-Alexander-Garde-Grendier-Regiment, 1881 die 7. Kompanie an das IR 98, 1887 die 4. Komp. zum IR 136, 1897 das IV. Btl zum IR 150 und 1912 die 5. Komp. zum IR 175 abgegeben.

Der erste Weltkrieg begann für die deutschen Streitkräfte mit der Mobilmachung am 1. August 1914. Am 6. August 1914 um9.15 Uhr verließ das I. Btl. seine Garnison Frankfurt und trat den Marsch an die Westfront an. Die Leib-Grenadiere kämpften in den folgenden vier Jahren auf fast allen wichtigen Kriegsschauplätzen. 1914 war es zunächst der Vormarsch durch Belgien und Nordfrankreich. Von September 14 bis Juni 15 dauern die Kämpfe an der Aisne, auf die die Herbstschlachten in der Champagne bis Ende 1915 folgen. 1916 kämpft das Regiment im ersten Halbjahr und im Winter vor Verdun, wobei es an der Erstürmung des Fort Douaumont teilnahm. Unterbrochen wurde der Einsatz vom Stellungskrieg in der Schlacht an der Somme im Sommer 1916.

Mitte 1917 wurde das Regiment nach Ostgalizien verlegt um dem österreichischen Bundesgenossen gegen russischen Truppen zu helfen. Ab September nehmen die Brandenburger an der 12. Isonzo-Schlacht teil und stürmen mit den Österreichern sowie weiteren deutschen Verbänden die italienischen Hochgebirgs-Stellungen in den Julischen Alpen. 1918 erfolgt der erneute Einsatz in Frankreich, zunächst in den Durchbruchsschlachten, dann in den Abwehrkämpfen gegen einen nachdrängenden Feind.

Nach dem Waffenstillstand trifft das Leib-Grenadier-Regiment am 29. Dezember 1918 um 2 Uhr morgens wieder in seiner Garnison in Frankfurt a. O. ein. Insgesamt 111 Offiziere sowie 4.352 Unteroffiziere, Grenadiere und Füsiliere sind in diesem Krieg gefallen – eine der höchsten Verlustzahlen eines einzelnen Truppenteils.

Nach seiner Auflösung 1919 wurde die Tradition von der 1. (Leibgrenadier) Kompanie des 8. (Pr.) Infanterie-Regiments der Reichswehr übernommen.