• Emblem
  • Uniformierung
  • Unteroffizier

Grenadier-Regiment König Karl (5. Würtembergisches) Nr. 123 Ulm

Nach der Reichsgründung am 18. Dezember 1871 erhielten die acht württembergischen Infanterie-Regimenter die Nummer 119 bis 126 und ihre neue Bezeichnungen, die sich nach dem Abschluss der Neuordnung des Armeekorps im Jahre 1874 noch einmal änderten.

Das königliche Württembergische Heer war ebenso wie das königlich Bayrische eine Traditionsarmee, die sich bis zu Kriegsausbruch 1914 nicht so recht in das Preußische System einfügen wollte! Bestes Beispiel dafür ist die Uniformierung, die sehr vom Rest des Heeres abwich, erst nach größtem Druck aus Berlin 1895 angeglichen wurde, bis auf die Tuchfarbe. Der größte Unterschied der Infanterieuniform lag darin, dass zwei Knopfreihen auf der Brust (pro Reihe sechs Uniformknöpfe) vorhanden war, ähnlich wie bei den Ulankas der Ulanen (Bild). Am Angeglichensten waren die Eigentumsstücke der Offiziere, die oft ihren Waffenrock, in der Militäraustauschzeit in Preußen anfertigen ließen. Jedoch die Tuchfarbe blieb auch bei ihnen dunkelblau (was eigentlich schwarz bedeutete). Dies wurde vor allem bei den Garderegimentern 119,123,19 Ulanregiment bis zur Einführung des feldgrauen Tuches 1910 so gehalten. Die Umrüstung auf den neuen Uniformtyp ging nur sehr schleppend. So kam es, dass ein Großteil des deutschen Heeres und genauso das Württembergische Heer, 1914 in den alten blauen Uniformen ins Feld zog. Aber nicht nur die Uniformen unterschieden sich von den Preußischen, sondern auch so manch anderer Ausrüstungsgegenstand, z.B. das Schuhwerk. Um einen Überblick über einige Kriegsschauplätze des ab August 1914 im Kriegszustand befindlichenden und zusammen mit den preußischen, bayrischen, sächsischen Armeekorps an allen Fronten dieses schrecklichen, menschenverschleißenden Krieges kämpfenden Gardegrenadierregiments 123 aus Ulm zu erhalten: Schlacht bei Bleid (21.08.1914), Schlacht bei Triaucourt- Voubecourt (6.-10. Sept. 1914), Kämpfe in den Argonnen (14 Sept.-Dez. 1915), Stellung vor Ypern und Kämpfe um die Kanalbastion (Jan.-Juli 1916), Kämpfe um Guillemont (Aug. 1916), Wytschaetebogen (Sept.-Nov. 1916), Stellungskampf an der Somme (Winter 1916/17), Arrasschlacht (Frühjahr 1918), Banteux-Stellung (Sommer 1917), Flandernschlacht (Aug.-Sept. 1917).

Aber während dieser oft verlustreichen Kämpfe des Krieges ereigneten sich auch manch heitere Geschehnisse, wie die folgenden zwei Beispiele zeigen.

Schwäbisch-preußisch

In und um Lille waren häufig Kameraden aus ganz Deutschland zu Gast bei den Offizieren der schwäbischen Landsturmbataillone. So hatte man sich eines Tages einmal wieder in bunter Runde zu einem gemütlichen Abendschoppen zusammengefunden. Natürlich sprach man von den Erlebnissen an der Front. Ein junger preußischer Leutnant berichtete über seine Heldentaten und Schnitt dabei in jugendlichem Tatendrang so furchtbar auf, dass den Anwesenden die Haare zu Berge standen. Schließlich wurde es aber einem württembergischen Hauptmann doch zu bunt, und er rief dem Leutnant zu: Aber Herr Kamerad! Dös isch jo saumäßig gloga! – Der Preuße nahm diesen Vorwurf höllisch krumm, stand auf und wollte das Lokal verlassen. Aber ein anderer Schwabe eilte ihm nach und sagte, um ihn zu beruhigen: Herr Kamerad, was da so eben mein Landsmann zu Ihnen sagte, dass dürfen Sie ihm nicht übel nehmen. Denn wissen Sie, - wenn man bei uns daheim sagt: Dös isch saumäßig gloga, so ist das grad als wenn man bei Ihnen in Berlin sagt: Fast unglaublich! Und somit war der Fall erledigt.

Geschichte eines Biberacher Bataillons: Die pfiffigen Schwaben

Von der Westfront rollte nach Südosten ein Transport mit oberschwäbischen Landstürmern. Bald hatte man herausbekommen: Die Fahrt geht über Ulm. Wie – wenn man von der nahegelegenen Heimatstadt Weib und Kind nach Ulm bestellt, um wenigstens auf der Durchfahrt – Grüß Gott! – zu sagen? Gedacht – getan. Nur vorsichtig musste es geschehen, damit der Bataillonsstab nichts merkte, sondern vor die vollendete Tatsache gestellt wurde. Von der ersten deutschen Bahnstation aus wurde insgeheim nach Hause telegrafiert. Und siehe da, als der Zug in Ulm einfuhr, stand Weib und Kind und mancher dazu auf dem Bahnsteig in Positur wie eine Mauer. Aber o weh! Fast ohne Aufenthalt fuhr der Zug weiter, nach Neu-Ulm hinüber. Schon pfiff es zur Abfahrt. Was tun? Hinein in den Wagen mit den Frauen und den Kindern! In Neu-Ulm drüben war ein längerer Aufenthalt vorgesehen. Als auf dem dortigen Bahnhof das Hornsignal ertönte und die Wagen sich leerten, wurden die Augen der bayrischen Bahnhofsposten groß und größer: Jetzt do schau her! rief einer, do legst di nieder! Die Schwaben bringen glei ihre Weibsen mit! –Es war eine kurze, aber eine schöne Wiedersehensfreude. Dann rollte der Transport weiter, der Italienerfront entgegen ...

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